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Bestseller
- der Held ist Hamburg
Krimi: Die Vorbilder sind Henning Mankell und Raymond Chandler.
Der erste
Roman des schottischen Autors Craig Russell spielt in Hamburg
- eine dunkle
Story um einen Serienmörder.
Von Volker
Albers
Hamburg -
Craig
Russell zögert nicht. "Dieses Bild hinterläßt
einen bleibenden
Eindruck. Man vergißt es nicht." Das Bild findet
sich in dem Thriller
"Blutadler" und beschreibt den fürchterlich
zugerichteten Körper einer
weiblichen Leiche - angelehnt an jenem Blutadler-Ritual, das
meist den
Wikingern zugeschrieben wird. Ein Bild, das sicht tatsächlich
einschreibt
ins Gedächtnis.
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Der schottische Autor Craig Russell hat seinen ersten Roman
geschrieben -
und der spielt mitten in Hamburg. "Es war eine Entscheidung
des Herzens",
erzählt Russell (49), der mit seiner Familie in der Nähe
von Glasgow lebt,
im Abendblatt-Gespräch. "Ich liebe Hamburg. Es ist
die britischste Stadt
außerhalb des United Kingdom und mit ihrem Hafen, den
Kanälen, dem Grün und
der Architektur die ideale Kulisse für einen Thriller."
Zahlreiche TV-Drehs
für Kriminalfilme unterstreichen Russells Ansicht. Im
November 2005
verbrachte er einige Zeit an der Elbe, um für seinen
Roman zu recherchieren.
Herausgekommen
ist eine dunkle Story, in der Jan Fabel von der Hamburger
Mordkommission ermittelt. Fabel bekommt es mit einem Serienmörder
zu tun,
der nach jenem alten Ritual mordet - und dem Kommissar per
E-Mail Hinweise
auf die jeweils Ermordeten gibt. Es ist ein grausiges Spiel,
auf das sich
Jan Fabel einläßt, während er erkennt, daß
er offenbar nicht der einzige
ist, der ein Interesse an dem Fall hat. Auch der Bundesnachrichtendienst
ermittelt undercover, denn ein Bandenkrieg droht im Hamburger
Kiezmilieu
auszubrechen.
"Es
ist historisch nicht gesichert, ob das Blutadler-Ritual tatsächlich
den
Wikingern zugeschrieben werden kann. In meinem Roman wollte
ich aber vor
allem zeigen, wie eine Person oder eine kleine Gruppe von
Leuten viele
andere Menschen manipulieren kann, indem sie einen religiösen
Kult
mißbrauchen, um ihre strategischen oder militärischen
Ziele zu erreichen",
sagt Russell, der sich seit früher Jugend für die
Geschichte der Wikinger
interessiert - und später Polizeibeamter wurde, bevor
er in die Werbung und
1990 ins schreibende Fach wechselte.
Russell
hat in seiner schottischen Heimat einen Kreis deutscher Freunde.
So
zeichnet er denn auch in "Blutadler" - anders als
dies nicht wenige
britische Romane und Filme machen - ein sehr differenziertes
Deutschlandbild. "Die Briten haben keine zutreffende
Vorstellung vom
zeitgenössischen Deutschland. Immer wieder kommen sie
auf Klischees aus der
Nazizeit, dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg zurück.
Ich versuche in
meinem Kriminalroman eine Art kulturelle Brücke zu bauen."
Wobei Russell in
seinen detailgenauen Schilderungen, die auf den ersten Seiten
ein wahres
Adjektivgewitter auf die Leser regnen lassen, nicht der Schönfärberei
anheimfällt - er reißt das Problem der Suche nach
nationaler Identität an
und spart auch nicht die unrühmliche Geschichte der Hamburger
Polizei
während der NS-Zeit aus, etwa die Deportationen durch
das Polizeibataillon
101.
Henning
Mankell und Raymond Chandler sind Russells Vorbilder innerhalb
des
Genres. "Ich finde es faszinierend zu sehen, wie ganz
gewöhnliche Menschen,
die eine ganz gewöhnliche Sozialisation erfahren haben,
zu Monstern werden
können", sagt Russell. Doch das gefährlichste
Tier auf diesem Planeten sei
halt noch immer der Mensch. So treibt sich in Russells nächstem
Roman, der
im kommenden Herbst erscheint, erneut ein psychopathischer
Killer um - er
unterliegt einer Obsession, die sich zumeist harmlos geriert:
Er lebt in der
Welt der Märchen.
Auch in
diesem Buch aber wird die Geschichte nur Teil des Ganzen sein.
Wie
in "Blutadler", in dessen Danksagung Russell schreibt:
"Wenn dieses Buch
einen Helden hat, dann ist es keine Person, sondern eine Stadt.
Vielen Dank,
Hamburg."
Craig
Russell - der hanseatische Schotte.
http://www.abendblatt.de/daten/2006/02/21/535755.html
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Photography
by
Andreas Biesenbach |